Rund 20 % aller Erwachsenen in Deutschland entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Zehenfehlstellung – Hammerzehen und Krallenzehen gehören dabei zu den häufigsten Diagnosen in der podologischen Praxis. Was viele nicht wissen: Frühzeitig erkannt, lassen sich beide Fehlstellungen oft ohne Operation behandeln. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Hammerzehen und Krallenzehen erkennen, worin der Unterschied liegt und welche Behandlungsmöglichkeiten Ihnen offenstehen.

Auf einen Blick
  • Was: Hammerzehe = Beugung im Mittelgelenk | Krallenzehe = Beugung im Mittelgelenk + Überstreckung im Grundgelenk
  • Häufigste Ursache: Spreizfuß, zu enge Schuhe, Hallux valgus
  • Wann zum Podologen: Bei Druckstellen, Schmerzen beim Gehen oder sichtbarer Fehlstellung
  • Behandlung: Konservativ (Orthosen, Übungen, Schuhberatung) oder operativ bei fixierter Fehlstellung

Bei Podologie Berlin behandeln wir täglich Patienten mit Zehenfehlstellungen in unseren Praxen in Berlin-Steglitz und Berlin-Lichterfelde. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, was Sie selbst tun können – und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.

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Was ist eine Hammerzehe?

Eine Hammerzehe (medizinisch: Digitus malleus) ist eine Fehlstellung, bei der das Mittelgelenk (PIP-Gelenk) der Zehe dauerhaft gebeugt ist. Das Zehengrundgelenk bleibt dabei gerade. Betroffen ist meist die zweite oder dritte Zehe. Die Zehe sieht von der Seite aus wie ein umgedrehtes „V“ – ähnlich einem Hammer, daher der Name.

Im Anfangsstadium ist die Fehlstellung noch flexibel: Die Zehe lässt sich manuell strecken. Wird sie nicht behandelt, versteift sich das Gelenk zunehmend – die Hammerzehe wird fixiert (rigid). In diesem Stadium helfen konservative Maßnahmen oft nicht mehr ausreichend.

Was ist eine Krallenzehe?

Die Krallenzehe (medizinisch: Digitus superductus) ist eine verwandte, aber komplexere Fehlstellung. Hier sind zwei Gelenke gleichzeitig betroffen:

  • Das Mittelgelenk (PIP) ist nach unten gebeugt (wie bei der Hammerzehe)
  • Das Grundgelenk (MTP) ist zusätzlich nach oben überstreckt (Hyperextension)

Das Ergebnis: Die Zehe „krallt“ sich förmlich nach unten, während sie am Ansatz nach oben steht. Diese doppelte Fehlstellung führt zu stärkeren Beschwerden als die Hammerzehe, da Druckstellen sowohl oben auf der Zehe als auch an der Zehenspitze und unter dem Vorfuß entstehen.

Hammerzehe vs. Krallenzehe – Der Unterschied auf einen Blick

Infografik: Unterschied zwischen Hammerzehe und Krallenzehe – PIP-Gelenk und MTP-Gelenk Fehlstellung im Vergleich
Hammerzehe (links): Nur das Mittelgelenk ist gebeugt. Krallenzehe (rechts): Mittelgelenk gebeugt und Grundgelenk überstreckt.
Merkmal Hammerzehe Krallenzehe
Betroffene Gelenke Nur Mittelgelenk (PIP) Mittelgelenk (PIP) + Grundgelenk (MTP)
Grundgelenk Gerade Überstreckt (nach oben)
Zehenspitze Zeigt nach unten Drückt auf den Boden
Druckstellen Oben am Mittelgelenk Oben, unten und an der Spitze
Schweregrad Oft weniger schmerzhaft Häufig stärker ausgeprägt
Häufigkeit Häufigste Kleinzehenfehlstellung Zweithäufigste Kleinzehenfehlstellung

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung von Hammerzehen und Krallenzehen hat selten nur eine Ursache. Meistens spielen mehrere Faktoren zusammen:

1. Falsches Schuhwerk

Zu enge, zu kurze oder zu spitz zulaufende Schuhe zwingen die Zehen in eine unnatürliche Position. Über Jahre hinweg passen sich Muskeln und Sehnen an diese Fehlstellung an. Besonders Schuhe mit hohen Absätzen verlagern das Körpergewicht auf den Vorfuß und verstärken den Druck. Unser Artikel über die richtige Schuhwahl erklärt, worauf Sie achten sollten.

2. Spreizfuß und Hallux valgus

Ein Spreizfuß verändert die Biomechanik des gesamten Vorfußes. Wenn sich der große Zeh durch einen Hallux valgus zur Seite neigt, verdrängt er die Nachbarzehen – diese weichen nach oben aus und entwickeln Hammer- oder Krallenstellungen.

3. Muskuläres Ungleichgewicht

Die Zehen werden von kleinen Muskeln gesteuert, die im Gleichgewicht arbeiten müssen. Bestimmte Grunderkrankungen stören dieses Gleichgewicht:

  • Neurologische Erkrankungen (z. B. Polyneuropathie, Charcot-Marie-Tooth)
  • Rheumatoide Arthritis – entzündliche Gelenkveränderungen
  • Diabetes mellitus – durch diabetische Neuropathie

4. Genetische Veranlagung

Eine familiäre Häufung ist bekannt. Wer bereits einen Knick-Senkfuß oder andere Fußfehlstellungen in der Familie hat, trägt ein erhöhtes Risiko.

5. Alter

Mit zunehmendem Alter verlieren die Fußmuskeln an Kraft, das Bindegewebe wird schwächer. Deshalb treten Zehenfehlstellungen ab dem 50. Lebensjahr deutlich häufiger auf. Regelmäßige Fußpflege im Alter kann dem entgegenwirken.

Symptome erkennen

Nicht jede Zehenfehlstellung verursacht sofort Beschwerden. Achten Sie auf diese Warnsignale:

Frühstadium (flexibel):

  • Zehe ist sichtbar gebeugt, lässt sich aber noch strecken
  • Rötung und leichter Druck oben am Zehengelenk
  • Beschwerden vor allem in geschlossenen Schuhen

Fortgeschrittenes Stadium (fixiert):

  • Zehe ist dauerhaft in der Fehlstellung versteift
  • Schmerzhafte Hühneraugen und Hornhautschwielen an den Druckstellen
  • Schmerzen beim Gehen und Stehen
  • Offene Stellen oder Entzündungen (besonders bei Diabetikern gefährlich)
  • Schwierigkeiten, passende Schuhe zu finden

Diagnose beim Podologen

In unserer Praxis in Berlin-Steglitz und Lichterfelde beginnt die Diagnostik mit einer gründlichen Sichtuntersuchung der Füße im Stand und beim Gehen. Unsere Podologin Beata Taha prüft:

  • Ob die Fehlstellung noch flexibel oder bereits fixiert ist
  • Welche Zehen betroffen sind und in welchem Ausmaß
  • Ob begleitende Probleme vorliegen (Spreizfuß, Hallux valgus, Hornhaut)
  • Den Zustand der Haut: Hühneraugen, Schwielen, Druckstellen

Bei Verdacht auf knöcherne Veränderungen empfehlen wir eine Röntgenaufnahme beim Orthopäden. Die podologische Behandlung erfolgt dann in enger Abstimmung mit dem ärztlichen Befund.

Behandlungsmöglichkeiten

Konservative Behandlung (ohne Operation)

Im flexiblen Stadium stehen gute konservative Optionen zur Verfügung:

Silikon-Zehenorthose zur Korrektur einer Hammerzehe – transparente Schiene am zweiten Zeh
Eine individuell angepasste Silikon-Zehenorthose hält die betroffene Zehe in korrigierter Position.

Zehenorthosen und Zehenschienen: Silikon-Orthosen halten die Zehe in einer korrigierten Position und entlasten Druckstellen. In unserer Praxis fertigen wir individuell angepasste Orthosen an, die deutlich besser wirken als Standardprodukte aus der Drogerie.

Druckschutz: Filz- oder Silikonpolster schützen die empfindlichen Stellen am Zehengelenk vor Reibung und Druck im Schuh.

Professionelle Fußpflege: Begleitende Hühneraugen und Verhornungen werden bei der podologischen Komplexbehandlung fachgerecht entfernt – schonend und hygienisch.

Schuhberatung: Weite Schuhe mit ausreichend Zehenraum, flache Absätze und weiche Obermaterialien sind entscheidend. Barfußschuhe können die Fußmuskulatur stärken, sind aber nicht für jeden geeignet.

Fußgymnastik: Gezielte Übungen kräftigen die kleinen Fußmuskeln und können das Fortschreiten der Fehlstellung verlangsamen:

Fußgymnastik-Übung: Zehen greifen ein Handtuch auf Holzboden – Vorbeugung gegen Hammerzehen und Krallenzehen
Einfache Übung für zuhause: Mit den Zehen ein Handtuch greifen kräftigt die Fußmuskulatur und beugt Zehenfehlstellungen vor.
  • Zehen greifen: Ein Handtuch oder kleine Gegenstände mit den Zehen aufheben
  • Zehen spreizen und strecken: 3 × 15 Wiederholungen täglich
  • Barfußgehen auf verschiedenen Untergründen

Operative Behandlung

Bei fixierten Fehlstellungen, die konservativ nicht mehr korrigierbar sind, kann ein Eingriff beim Fußchirurgen sinnvoll sein. Gängige Verfahren sind:

Verfahren Beschreibung Geeignet für
Sehnenverlängerung Verkürzte Beugesehne wird verlängert Flexible Fehlstellungen
Resektionsarthroplastik Entfernung eines Gelenkanteils Fixierte Hammerzehe
Arthrodese (Versteifung) Dauerhafte Fixierung des PIP-Gelenks in gerader Position Fixierte Hammer-/Krallenzehe
Weil-Osteotomie Verkürzung des Mittelfußknochens Krallenzehe mit MTP-Luxation

Nach einer OP ist die podologische Nachbehandlung wichtig: Wir begleiten Sie mit professioneller Nagelbearbeitung, Druckentlastung und regelmäßiger Kontrolle der Heilung.

Sie leiden unter Hammer- oder Krallenzehen?
Wir beraten Sie persönlich zu Ihren Behandlungsoptionen.
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Aus unserer Praxis: Ein typischer Fall

Eine 58-jährige Patientin kam mit Schmerzen an der zweiten und dritten Zehe des rechten Fußes zu uns. Sie hatte seit Jahren spitz zulaufende Schuhe getragen. Die Untersuchung zeigte: eine flexible Hammerzehe an der zweiten Zehe und eine beginnende Krallenzehe an der dritten Zehe, begleitet von einem Hühnerauge oben am Mittelgelenk.

Unsere Behandlung: professionelle Entfernung des Hühnerauges, Anfertigung einer individuellen Silikon-Zehenorthose und ausführliche Beratung zur Schuhwahl. Nach sechs Wochen mit konsequentem Tragen der Orthose und täglicher Zehengymnastik berichtete die Patientin von deutlich weniger Schmerzen. Die Fehlstellung stabilisierte sich, eine OP war nicht nötig.

Dieses Ergebnis ist typisch: Bei frühzeitiger Behandlung lässt sich in vielen Fällen eine Operation vermeiden.

Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Zehen

  • Passendes Schuhwerk: Ausreichend Platz im Zehenbereich, Absatz maximal 4 cm. Lesen Sie unsere 7 Tipps für den Schuhkauf.
  • Tägliche Fußgymnastik: Zehen spreizen, greifen und strecken – 5 Minuten reichen
  • Barfuß gehen: Zuhause und auf Wiesen so oft wie möglich
  • Regelmäßige Fußkontrolle: Besonders bei Diabetes und rheumatischen Erkrankungen
  • Professionelle Fußpflege: Regelmäßige podologische Behandlung erkennt Fehlstellungen früh

Häufige Fragen zu Hammerzehe und Krallenzehe

Kann sich eine Hammerzehe von alleine zurückbilden?

Nein. Ohne Behandlung schreitet die Fehlstellung in der Regel fort. Im flexiblen Stadium kann sie durch Orthosen und Übungen stabilisiert werden, bildet sich aber nicht vollständig zurück. Je früher Sie handeln, desto besser die Prognose.

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung beim Podologen?

Wenn Ihr Arzt eine Heilmittelverordnung (Rezept) für podologische Komplexbehandlung ausstellt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Dies ist besonders bei Diabetes und Durchblutungsstörungen möglich. Ohne Rezept finden Sie unsere Preise für Selbstzahler auf der Preisliste.

Was ist der Unterschied zwischen Hammerzehe und Mallet-Zehe?

Bei einer Hammerzehe ist das Mittelgelenk (PIP) betroffen, bei einer Mallet-Zehe (Endglied-Hammerzehe) das Endgelenk (DIP). Beide führen zu einer Beugefehlstellung, aber an unterschiedlichen Stellen der Zehe.

Ist eine Operation der Hammerzehe schmerzhaft?

Der Eingriff selbst erfolgt unter lokaler oder regionaler Betäubung. Nach der OP können für einige Tage Schwellungen und leichte Schmerzen auftreten. Die meisten Patienten können nach 2–3 Wochen wieder in einem Verbandsschuh gehen. Die vollständige Heilung dauert 6–8 Wochen.

Welche Schuhe sind bei Hammerzehen geeignet?

Wählen Sie Schuhe mit breiter Zehenbox, weichem Obermaterial und flachem Absatz (max. 4 cm). Vermeiden Sie spitze Schuhe und High Heels. Spezielle Komfortschuhe oder Barfußschuhe können ebenfalls hilfreich sein.

Wie lange dauert die konservative Behandlung?

Die konservative Behandlung ist ein fortlaufender Prozess. Erste Verbesserungen bei Schmerzen und Druckstellen zeigen sich meist nach 4–6 Wochen. Die Orthosen und Übungen sollten dauerhaft beibehalten werden, um ein Fortschreiten zu verhindern.

Fazit: Frühzeitig handeln lohnt sich

Hammerzehen und Krallenzehen sind weit verbreitet – aber kein Schicksal. Gerade im flexiblen Frühstadium kann eine konservative Behandlung beim Podologen sehr gute Ergebnisse erzielen: individuelle Orthosen, professionelle Entfernung von Druckstellen und gezielte Beratung zu Schuhen und Übungen.

Warten Sie nicht, bis die Fehlstellung fixiert ist. In unseren Praxen in Berlin-Steglitz (Rheinstraße 29) und Berlin-Lichterfelde (Heinersdorfer Str. 17) sind wir für Sie da.

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Quellen: Orthinform / Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Hammer- oder Krallenzehe | Onmeda Gesundheitsportal: Hammerzehe und Krallenzehe | München Klinik: Hammerzeh, Krallenzehe

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